Auf seine Frage, wer denn Haydns „Schöpfung“ noch nie gesungen habe, heben sich ein dutzend Hände allenfalls bis auf Nasenspitzenhöhe. Doch Helmuth Rilling registriert die zaghaften, nahezu schuldbewussten Gesten aufmerksam, um seine Probendisposition nicht ausschließlich auf die Mehrzahl der Gächinger einzustellen, die Haydns Oratorium und Händels „Messiah“ aus dem Effeff beherrschen. Bei den A-cappella-Proben gestern und heute im Konzertsaal der Bachakademie geht es zwar noch nicht um Feinheiten, doch dynamische und artikulatorische Linien werden bereits klar vorgezeichnet. Nicht immer steht dem künstlerischen Leiter vollste Zufriedenheit ins Gesicht geschrieben, die Bässe sind ihm zu „dick“, er wünscht sich die Stellen eher „keck“, es solle „knistern“, die Tenöre könnten doch hier noch etwas mehr „funkeln“. Aber Helmuth Rilling lobt auch gern und überschwenglich: „Gut seid Ihr! Begeisterung meinerseits!“
Am Samstag kommt Intendant
Christian Lorenz hinzu, begrüßt das Ensemble und freut sich auf ein
paar gemeinsame Tage in Israel. Eine längere Probenpause wird dazu
genutzt, neu aufgenommene Gächinger im Chor zu begrüßen und
wichtige Details für die knapp dreiwöchige Tournee zu klären. Vor
uns liegen nun 3.000 km Luftlinie und 13 Konzerte in Tel Aviv,
Jerusalem und Haifa – morgen in aller Herrgottsfrühe geht es los.
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