Zu Gast im Théâtre des Champs-Elysées in Paris

Et voilà – Wenn der Funke überspringt: Nachdem der junge estnische Dirigent Olari Elts mit Mendelssohns »Paulus« im November 2009 in Stuttgart ein »phänomenales Konzert« mit einer »Delikatesse an Klang, die zum Weinen schön war« (Stuttgarter Zeitung) dirigiert hatte, setzte er einiges in Bewegung, um wieder mit den Gächingern arbeiten zu können. Mit Erfolg: Der Chor der Bachakademie wurde bald darauf zu einem gemeinsamen Konzert mit dem ensemble orchestral de Paris und Haydns »Jahreszeiten« für den 8. Februar ins Téâtre des Champs-Elysées nach Paris eingeladen, worüber sich die Sängerinnen und Sänger natürlich extraordinaire gefreut haben. Klarer Fall: Der Redaktör hat Kamera und Stift dabei und kümmert sich nicht darum, dass in Paris (und im Chor?) schon so einige Motive »totfotografiert« sind.

»Die Jahreszeiten wandern durch die Wälder, man sieht es nicht, man liest es nur im Blatt« – oder aber, um Erich Kästner geringfügig zu variieren: man hört' es hier am Rauschen der Blätter. Im Tempo eines TGV flogen die Seiten der Partitur von Haydns »Jahreszeiten« über das Pult von Olari Elts, der für die Probe nach Stuttgart gereist war und nun Frühlingsommerherbstundwinter in Windeseile mit dem Chor durchzusehen hatte. Viel Zeit war nicht, blieb auch nicht bis zur Aufführung, und Haydn hat's bekanntlich in sich. Da zählte jede Minute, um die unzähligen heiter-heiklen Bestandteile der oratorischen Lautmalerei in ein gemeinschaftliches Raum-Zeit-Gefüge zu bringen. Unterschiedliche rhythmische Vorstellungen wurden behutsam angeglichen, Pianissimi wurden mit sanfter Gewalt erzwungen, die als unzureichend empfundene muttersprachliche Artikulation wieder und wieder vehementest eingefordert. Volle Konzentration oder Kapitulation – eine Alternative gibt's ja beim Proben eigentlich eh nicht. Am End der intensiven und doch sehr erquicklichen Tageshälfte war man sich weitgehend einig und hüllte schon mal fürs Théâtre die Noten artig in Schwarz. Die Musik sollte später dazukommen...

Dienstag 8. Februar: Das Konzert

20:00 | Paris (FR) | Théâtre des Champs-Elysées
Joseph Haydn | Die Jahreszeiten Hob. XXI:3
Camilla Tilling, Sopran | Werner Güra, Tenor | Roderick Williams, Bariton
ensemble orchestral de Paris | Gächinger Kantorei Stuttgart | Olari Elts

»une Gächinger Kantorei [...] impeccable« (Planet Opéra)
»Au sein des voix toujours, la Gächinger Kantorei triomphe, en particulier dans les superbes chœurs conclusifs du Printemps et de l’Hiver.« (Forum Opéra)
»L’excellent Gächinger Kantorei, chœur professionnel du sud de l’Allemagne et l’ensemble orchestral de Paris sont tout feu, tout flamme.« (concertclassic.com)

À PARIS – Variations sans Thème

Var. I. Ankunft. Erste Orientierung. Unterwegs.

Durchs Gefild mit TGV und 300 Sachen. Warme Stuben mit Blick auf Gare du Nord und Sacré Cœur. Zu düstren Höhlen der Metro. Stadtplanrätsel, verwirrt und zweifelhaft.

Var. II. Gächingers Sicht auf Pariser Würdigkeiten.

Erster Stresstest für angeberische Kamerachips. Montagvormittag bei strahlendem Wetter. Heil, o Sonne, Heil, Pompidou Nôtre Eiffel Phalle Amélie Montmartre Réverbères etc.

Var. III. Gutgehnlassen am Mittag und am Abend.

Die Speise, die uns nährt. Die frohen Nächte. Wie reines Herz, gesunder Leib und Tages Arbeit gewährt. Lasst uns fröhlich sein. Nur Tugend bleibt.

Var. IV. Proben. Musik. Theater.

Der gällenden Hörner Schall. Der gierigen Hunde Gebelle. Heller Stimmen lauter Klang. Ein ungekünstelt frohes Lied. Die Arbeit fördert lachender Scherz. Von dir, o Fleiß, kommt alles Heil.

Var. V. Fragmente.

Ei ei knurre,
ho ho schnurre,
ha ha drille, hallali!
Juhe juh,
heisa hopsasa,
heida tajo, o bumsfallera!

Var. VI. Après cela.

... noch Fotos zügelnd nach:

Die Fotografinnen & Fotografen: Birgit Quellmelz (bq), Steffen Barkawitz (sb), Martin Frobeen (mf),
Andreas Poland (ap) sowie Holger Lenz Schneider (hs)